Landkreis Emsland schließt kreisweiten Ausbau ab – 319 digitale Sirenen stärken den Bevölkerungsschutz
Esterwegen. Seit 2021 treibt der Landkreis Emsland den flächendeckenden Ausbau des digitalen Sirenennetzes im Landkreis Emsland voran; er konnte in diesem Juli beendet werden. Zum offiziellen Abschluss kamen Landrat Marc-André Burgdorf, Jörg Schmedes, Samtgemeindebürgermeister der Samtgemeinde Nordhümmling und Sprecher der Hauptverwaltungsbeamten des Landkreises Emsland, Heinrich Thomes, Ortsbürgermeister von Esterwegen (Samtgemeinde Nordhümmling), Thomas Aicher, Geschäftsführer des mit dem Ausbau beauftragten Unternehmens Safus GmbH, sowie weitere Gäste in der Gemeinde Esterwegen zusammen, um exemplarisch am Sirenenausbau vor Ort den kreisweiten Ausbau zu erläutern.
„Gemeinsam mit den kreisangehörigen Städten, Gemeinden und Samtgemeinden haben wir eine moderne Warninfrastruktur aufgebaut, die die Bevölkerung bei drohenden oder bereits eingetretenen Gefahrenlagen schnell und zuverlässig warnt. Mit insgesamt 319 digitalen Sirenen steht nun im gesamten Landkreis eine flächendeckende Sirenenwarninfrastruktur zur Verfügung. Auch bislang bestehende Versorgungslücken konnten geschlossen werden“, sagt Landrat Burgdorf.
Ein Beispiel für die erfolgreiche Zusammenarbeit von Kommunen und Kreisverwaltung ist die Samtgemeinde Nordhümmling, die mithilfe von Fördermitteln des Bundes, des Landes und des Landkreises Emsland die Finanzierung aller 14 Sirenen sicherstellen konnte. Beim Treffen fanden sich alle Teilnehmenden an einer Mastsirene ein. Hierbei handelt es sich um eine Anlage, die an einer Stange montiert und somit weithin hörbar ist. Das Exemplar in Esterwegen verfügt über eine Leistung von 600 Watt. Wie alle anderen Sirenen im Landkreis hat sie eine Notstromversorgung und kann dadurch selbst bei einem Stromausfall bis zu 20 Tage lang weiterhin ausgelöst werden.
„Gerade in Zeiten wachsender Unsicherheiten auf internationaler Ebene ist eine leistungsfähige und verlässliche Warninfrastruktur wichtiger denn je. Die Sirenen geben unseren Bürgerinnen und Bürgern mehr Sicherheit und die Gewissheit, dass wir bei Gefahren schnell und direkt informieren können. Besonders überzeugt mich die neue Technik mit redundanter Ansteuerung und individuellen Sprachdurchsagen – so lassen sich Warnungen situationsgerecht und zielgruppengenau aussprechen. Das macht unsere Sicherheitsinfrastruktur moderner, resilienter und besser vorbereitet auf die Herausforderungen von heute,“ sagt Schmedes.
Aicher bezeichnete den Landkreis Emsland als deutschlandweiten Vorreiter beim Ausbau einer flächendeckenden Sireneninfrastruktur. Mit den Sirenen habe der Landkreis Emsland „die letzte Kommunikationsebene“ geschaffen, die dann verfügbar ist, wenn alle anderen Warnmittel nicht mehr ansprechen.
Gemeinsames Warnkonzept als Grundlage
Ausgangspunkt für den Aufbau des kreisweiten Sirenennetzes war ein gemeinsam mit den kreisangehörigen Kommunen entwickeltes Warnkonzept. Ziel war es, eine möglichst flächendeckende und leistungsfähige Warnung der Bevölkerung sicherzustellen. Sirenen sind dabei ein wichtiger Bestandteil des Warnmittelmixes, zu dem auch Warn-Apps sowie Lautsprecherdurchsagen gehören. Insbesondere durch ihre Weckfunktion können sie Menschen auch dann auf eine Gefahr aufmerksam machen, wenn andere Informationswege möglicherweise nicht unmittelbar wahrgenommen werden. Im Ernstfall werden die Sirenen zentral durch die Leitstelle Ems-Vechte angesteuert. Bei Bedarf ist auch eine Auslösung direkt vor Ort möglich.
Die erforderlichen Standorte wurden auf Grundlage von Beschallungsgutachten der Kommunen ermittelt. Der Ausbau erfolgte dann schrittweise. Der Landkreis Emsland übernahm hierbei eine koordinierende Rolle und trat ab 2021 in die Planungen ein. In den Jahren 2022 und 2023 wurden in zwei Vergabeverfahren insgesamt 278 Sirenen mit einer Auftragssumme von rund 6,6 Millionen Euro ausgeschrieben. Im Jahr 2025 folgte ein drittes Vergabeverfahren, mit dem weitere Versorgungslücken geschlossen wurden. Dabei wurden 42 zusätzliche Sirenen für rund 866.000 Euro beauftragt. Die Samtgemeinde Herzlake erhielt 2025 eine Bundesförderung für die abschließenden zehn Sirenen. Damit war der Weg frei für den vollständigen Abschluss des kreisweiten Ausbaus.
Neue Text-to-Speech-Funktion macht Warnungen flexibler
Die digitalen Sirenen können neben den akustischen Signalen auch 15 vorgefertigte Sprachdurchsagen für unterschiedliche Gefahrenlagen wie Brände, Unwetter, Verunreinigungen des Trinkwassers und Stromausfälle ausgeben. Die standardisierten Texte ermöglichen eine schnelle und einheitliche Information der Bevölkerung. Der Landkreis arbeitet indes schon an der nächsten Ausbaustufe des Sirenenwarnsystems: Bis Mitte 2027 sollen alle Sirenen mit einer sogenannten Text-to-Speech-Funktion ausgestattet werden. Damit können künftig auch individuelle, auf die jeweilige Gefahrenlage abgestimmte Sprachdurchsagen ausgegeben werden. Ein auf den konkreten Ernstfall angepasster Text kann erstellt und anschließend automatisch in eine Sprachdurchsage umgewandelt werden. Die Sirenen können so künftig noch schneller und flexibler auf unterschiedliche Gefahrensituationen reagieren.
Zusätzliche Technik erhöht die Ausfallsicherheit
Parallel zur Erweiterung der Sprachfunktionen wird die technische Ausfallsicherheit des Sirenennetzes weiter verbessert. Alle Sirenen sollen mit einem so genannten KomRe-Modul zur redundanten Ansteuerung ausgestattet werden. Damit soll sichergestellt werden, dass die Anlagen auch dann ausgelöst werden können, wenn der reguläre Übertragungsweg oder die primäre Ansteuerung ausfallen. Die zusätzliche Redundanz ist insbesondere bei größeren Schadenslagen sowie bei länger andauernden Strom- oder Kommunikationsausfällen von Bedeutung. „Ziel ist es, eine möglichst robuste Warninfrastruktur bereitzustellen, die auch unter schwierigen Rahmenbedingungen zuverlässig funktioniert“, betont der zuständige Dezernent Christoph Exeler.
Regelmäßige Sirenenübungen stärken die Warnfähigkeit
Zur regelmäßigen Überprüfung der technischen Funktionsfähigkeit und zur Sensibilisierung der Bevölkerung finden im Landkreis Emsland jährlich zwei Sirenenübungen statt. Der bundesweite Warntag wird am zweiten Donnerstag im September durchgeführt. Hinzu kommt die landkreisweite Sirenenübung am zweiten Donnerstag im März.
Beim bundesweiten Warntag am 10. September 2026 nahmen erstmals alle 319 digitalen Sirenen im Landkreis Emsland an der Übung teil. Das Ergebnis fiel insgesamt sehr positiv aus: 318 Sirenen lösten sämtliche vorgesehenen Signale ordnungsgemäß aus.
Rund 7,4 Millionen Euro für mehr Sicherheit
Insgesamt wurden rund 7,4 Millionen Euro in den Aufbau des neuen digitalen Sirenennetzes investiert. Davon entfielen rund 3,4 Millionen Euro auf Fördermittel von Bund und Land. Der Landkreis Emsland unterstützte das Vorhaben mit rund einer Million Euro. Die kreisangehörigen Kommunen trugen rund drei Millionen Euro als Eigenanteil. Die gemeinsame Finanzierung und die abgestimmte Umsetzung ermöglichten es, das Vorhaben kreisweit voranzutreiben und die Warninfrastruktur systematisch auszubauen.
Teamwork: Zusammen mit den Kommunen hat der Landkreis Emsland den kreisweiten Sirenenausbau nun fertigstellen können.
Bei einem gemeinsamen Termin in der Gemeinde Esterwegen, die exemplarisch für alle emsländischen Kommunen steht, wurde „Vollzug“ gemeldet.
Es handelt sich bei der Sirene in Esterwegen um eine von insgesamt 14 neuen Anlagen in der Samtgemeinde Nordhümmling.
Die Mastsirene verfügt über eine Notstromversorgung, so dass sie bei einem Stromausfall bis zu 20 Tage betriebsbereit bleibt.