Männer pilgern 14 Kilometer auf dem Hümmlinger Pilgerweg: Gemeinschaft und neue Impulse erleben.
Auf dem Hümmlinger Pilgerweg suchten 14 Männer nach Orientierung und neuen Impulsen. Begegnungen und persönliche Eindrücke prägten den gemeinsamen Tag abseits des alltags von Sögel nach Spahnharrenstätte.
14 Männer haben sich auf dem Hümmlinger Pilgerweg gemeinsam auf den Weg gemacht. Unter dem Leitwort „Wegweiser – Was mir Orientierung gibt“ erlebten sie einen Tag voller Gespräche, stiller Momente, persönlicher Begegnungen und Impulse, die weit über eine gewöhnliche Wanderung hinausgingen beim traditionellen Männerpilgern.
Was gibt mir Halt, wenn Entscheidungen anstehen? Woran kann ich mich orientieren, wenn der Alltag unübersichtlich wird? Was könnte der nächste gute Schritt sein? Diese Fragen begleiteten die Gruppe auf ihrem Pilgertag. Frank Rickermann hatte den Tag vorbereitet und führte die Teilnehmer gemeinsam mit seinem Vorstandskollegen Willi Benten über den Hümmlinger Pilgerweg. Passende Impulse, Zeit zum Austausch und bewusst eingeplante stille Wegstrecken machten aus der Tour einen Tag, an dem jeder seinen eigenen Gedanken nachgehen konnte.
Bereits zu Beginn, kurz nach dem Start beim Marstall Clemenswerth kam es zu einer unerwarteten und besonders herzlichen Begegnung. Vor der Schlosskapelle begegnete die Gruppe Pater Edmund Kesenheimer, der mit flotten Schritten um die Ecke bog, die Männer begrüßte und sich nach ihrem Vorhaben erkundigte. Als er erfuhr, dass sie zu einem Pilgertag aufgebrochen waren, lud er sie spontan ein, den Auftakt in der Kapelle zu gestalten. So versammelte sich die Gruppe in dem besonderen Raum, nahm einen ersten Impuls auf und stimmte sich gemeinsam auf den Weg ein. Die ungeplante Einladung verlieh dem Start eine persönliche und zugleich ruhige Atmosphäre.
Ein weiterer eindrucksvoller Moment ergab sich am Sinnspruchstein „Herr, gib mir Gelassenheit“. Während eines Impulses dachte die Gruppe darüber nach, welche Bedeutung Gelassenheit im eigenen Leben hat. Gleichzeitig machte ein Spaziergänger auf seiner täglichen Runde eine Pause auf der nahegelegenen Bank und fragte neugierig nach dem Anlass der Zusammenkunft.
Als der ältere Herr erfuhr, dass die Männer auf einem Pilgerweg unterwegs waren, blieb er interessiert stehen und hörte zu. Für einen kurzen Augenblick teilte er die Gedanken der Gruppe zur Gelassenheit, bevor die Pilger ihren Weg schweigend fortsetzten. Die Verabschiedung fiel schlicht aus: ein Nicken, ein Handzeichen. Gerade diese kurze und ungeplante Begegnung blieb vielen in Erinnerung. Sie zeigte, wie Menschen auf einem gemeinsamen Weg für einen Moment miteinander verbunden sein können, auch wenn sie sich zuvor nie begegnet sind.
Bei Männige Berge, einem alten Grabhügelfeld, beschäftigte sich die Gruppe am Sinnspruchstein „Segen spüren“ mit dem Thema Dankbarkeit. Was tut mir gut? Wofür bin ich dankbar? Welche Menschen, Orte oder kleinen Dinge schenken meinem Leben Kraft? Diese Fragen standen im Mittelpunkt der Pause. Die neue Sitzgruppe bot dabei einen passenden Ort, um zur Ruhe zu kommen und die bisherigen Eindrücke nachwirken zu lassen.
Dort befindet sich auch ein Pilgerbuch in einem neuen wettergeschützten Kasten. Die Männer nutzten die Gelegenheit, einen Eintrag zu hinterlassen. Er erinnert an diesen gemeinsamen Tag und lädt zugleich weitere Pilgerinnen und Pilger dazu ein, ihre Gedanken und Erfahrungen festzuhalten.
Ein kleiner Abstecher führte anschließend zur Spahner Buche. Der mehr als 400 Jahre alte Baum beeindruckte die Teilnehmer nicht nur durch sein Alter und seine Größe. Tief verwurzelt, seit Jahrhunderten Wind und Wetter ausgesetzt und dennoch kraftvoll gewachsen, wurde die Buche für viele zu einem Sinnbild des Tages: standfest bleiben, Verwurzelung spüren und den eigenen Weg auch unter wechselnden Bedingungen weitergehen.
Passend dazu zeigte sich auch das Wetter. Der Wind schien aus allen Richtungen zu kommen, zwischen den Wolken ließ sich immer wieder die Sonne blicken, und lediglich drei unentschlossene Regentropfen fielen vom Himmel. Für die Gruppe war das genau das richtige Pilgerwetter.
Zum Abschluss erreichten die Männer die Kirche St. Johannes der Täufer in Spahnharrenstätte. Dort bot ein letzter Impuls Gelegenheit, auf den Tag zurückzublicken, Gespräche und Gedanken noch einmal aufzugreifen und den gemeinsamen Weg in Ruhe ausklingen zu lassen.
Anschließend ging es zurück zum Marstall Clemenswerth. Vor der frisch renovierten Statue von Kurfürst Clemens August war noch genügend Energie für ein gemeinsames Gruppenfoto vorhanden. Bei Kaffee, Tee, Kuchen und Schnittchen endete der Pilgertag schließlich in geselliger Runde. Es wurde weitererzählt, gelacht und über das Erlebte nachgedacht. So wurde aus einem gemeinsamen Weg weit mehr als eine Wanderung: ein Tag voller Gemeinschaft, Begegnungen und neuer Orientierung.
Fotos: Frank Rickermann (Hümmlinger Pilgerweg)





